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Das Ehrenamt an BS und TI
 
 

Was macht eigentlich Werner Langer aus St.Vith?

Erst Sport, dann Kine, Junglandwirt und heute Schuldirektor mit neun Privatschulen für Osteopathie in Deutschland und drei weiteren in der Türkei

von Erwin Kirsch (Text und Bilder)

Einige Erinnerungen an alte BS-Zeiten hat Werner aus dem Schuhkarton gekramt.

In Bilder klicken, um sich Vergrößerung in Zoomgalerie anzuschauen.

Werner wollte sich nach seinem Abschluss an der BS an der Uni in Leuven erst für Mathematik oder Architektur einschreiben. Dort angekommen wechselte er kurzerhand und in letzter Minute die Idee und trug sich in das Fach Sport ein.

Nach zwei Jahren Candi wurde er durch einen Turnunfall mit kaputtem Knie, Gehirnerschütterung und vier Operationen gezwungen, die Studienrichtung zu wechseln. Ein Verbot für jegliche sportliche Aktivität während der beiden kommenden Jahre kostete ihm nicht nur die Weiterführung seines Lieblingsstudiums, sondern auch seine sportlichen Hobbys zu Hause.

Du warst am Boden zerstört. Wie ging es weiter?

Es bot sich eine Notlösung an: Weiterstudium in der 1. Lizenz Kinesitherapie mit der Bedingung alle theoretischen Fächer der beiden ersten Kine-Jahre nachzuholen. Nach diesem Mammutprogramm wollte ich dann Sport weiter studieren. Mein Vater gab aus Kostengründen aber kein grünes Licht. Ich hätte dann als Assistent des Kinesitherapieprofessors in der Orthopädie an der Uniklinik mein Geld fürs Sportstudium verdienen können. Diesem Traumjob wurde durch einen weiteren schweren Sportunfall bei den VDT-Meisterschaften 1976 in Elsenborn ein jähes Ende bereitet. Diagnose: Lungenriss... mit einigen Wochen zwischen Leben und Tod in den Kliniken von Malmedy und Leuven. Nach 6 Wochen Krankenhausaufenthalt war dann an Sport nicht mehr zu denken. Ich konnte keine 50 Meter mehr laufen...

In der Rekonvaleszenz-Phase besuchte ich einen Lehrgang für Junglandwirte in Kleve und wurde so zum diplomierten Jungbauer. Dann hieß es halt „Bauer und Kinesitherapeut sucht Job“. Kurz darauf kontaktierte mich mein ehemaliger Sportlehrer und Kinesitherapeut Micki Schumacher: “Dr. Lenard Fort sucht dringend einen Kine.“ Meine Bewerbung war erfolgreich, ich konnte sofort anfangen, wurde allerdings „ins kalte Wasser geschmissen“, indem ich auf Anhieb zwanzig Privatpatienten und die Kranken der Klinikstation behandeln durfte.


Das klingt nach einer harter Zeit. War dem so?

Das war eine harte Eintrittsschule, war ich doch damals der einzige selbständige Kine von Sourbrodt bis Ouren und von Vielsam bis Manderfeld. Heute arbeiten in diesem Gebiet sicher fast fünfzig Kines. Auch wollte Dr. Fort dass ich sofort mit einer Weiterbildung in Manueller Medizin begann. Deshalb studierte ich neben meiner eigentlichen Vollzeit-Tätigkeit in meiner Praxis in der Klosterstraße noch Osteopathie in Frankreich und Luxemburg.
Als meine Frau dann zum ersten Mal schwanger wurde, lernte ich auch konkret die Schwangerschaftsgymnastik, die ich bis dahin nur aus der Theorie kannte. Dieses Angebot fehlte noch in St. Vith. Sportlehrerin Frau Goenen hatte kurzzeitig Kurse angeboten und sie mir dann kurzfristig übertragen .
Obschon ich ursprünglich nicht unbedingt Therapeut werden wollte, interessierte mich die Osteopathie doch sehr und 1981 machte ich dann den Abschluss und beschloss auch Schluss mit der Kinesitherapie zu machen. Meine Kine-Praxis verkaufte ich 1983 an meinen Kollegen Philipp Richter.
Es folgte eine fast zwanzigjährige praktische Tätigkeit als einziger Osteopath in Ostbelgien. Nebenbei war ich auch noch in der Tagesstätte in Medell und Kindertagesstätte in Elsenborn in der Rehabilitation und als Therapeut tätig.


Vom praktizierenden Osteopathen zum Pädagogen. War das Deine eigentliche Berufung?

Eigentlich hatte ich von Anfang immer ein Faible für eine pädagogische Betätigung. Inzwischen war auch Philipp Richter in der Osteopathie-Ausbildung. Er bat mich, ihm in der französischen Schule, die in Deutschland die ersten deutschen Osteopathen ausbildete, als Simultanübersetzer zu helfen. Das habe ich dann eine Zeit lang getan, bis ich mir die Frage stellte, warum ich eigentlich nicht selber unterrichten könnte.
Nach zwei Jahren erhielt ich ein Angebot um an der Schule zu dozieren, wo ich bisher als Übersetzer gearbeitet hatte. Auch Philipp Richter wurde Lehrer. Ich habe mich dann sehr um die Strukturierung der Unterrichtspläne gekümmert und neue deutschsprachige Osteopathielehrer aus Frankreich und Belgien rekrutiert. Dann trennten sich die deutschen Schüler von der französischen Schule. Zum BRF-Video >

Mit einem Karlsruher Kollegen gründeten wir eine eigenständige Privatschule mit Sitz in Karlsruhe. Unser Karlsruher Partner, so mussten wir leider bald feststellen, war etwas kriminell, hatte unsere geplante Firma einfach nicht gegründet und die eingezahlten Teilhabergelder verprasst. Geld futsch, Kassen leer!
Ich wollte nach dieser Riesenenttäuschung eigentlich keinen Fuß mehr auf deutschen Boden setzen. Ich hatte aber zwischenzeitlich eine eigene kleine Gesellschaft in Luxemburg gegründet und mein luxemburgischer Unternehmensberater riet mir einfach eine Niederlassung in Deutschland zu eröffnen und eine eigene Schule zu gründen. Los ging es dann auf eigene Kappe (mit Philipp Richter als Partner) mit 30-40 Schülern in angemieteten Räumen in Düsseldorf. Im darauffolgenden Jahr hatten wir drei mal so viele Einschreibungen. Immer mehr Schüler zog es an den Rhein. Neue Standorte ergaben sich in Berlin, Leipzig, Mutterstadt und Trier, später noch in Hannover, Nürnberg, Würselen und Fulda. Lehrer mussten gesucht werden. Inzwischen sind es deren mehr als fünfzig.

Wie steht es mit der Anerkennung Deiner Schule? Hast Du noch weitere Ausbaupläne?

Wir waren und sind eine Privatschule, zahlen Steuern in Deutschland. An unserem Sitz in Luxemburg und Bitburg arbeiten fünf Angestellte in der Verwaltung. Im Bundesland Hessen sind wir inzwischen staatlich anerkannt. Bisher gibt es in den anderen Bundesländern noch keine staatliche Anerkennung der Osteopathie, hier geben die Verbände die Qualitätsregeln vor, die den internationalen Normen für Osteopathie entsprechen. Unsere Privatschule entspricht diesen Kriterien.
Jede Woche sind wir an mindestens 6-9 Standorten mit jeweils 15- 20 Lehrern tätig. Die Dozenten sind größtenteils Ärzte und von uns ausgebildete Osteopathen, sowie Psychologen, Ernährungsfachleute und Wissenschaftler. Unsere Schüler sind  vor allem Kinesitherapeuten aber auch Ärzte , ausgebildete Heilpraktiker oder sonstige durch die medizinischen Verbände
anerkannte Berufe, die bei uns in einer berufsbegleitenden Ausbildung während 5 Jahren in über 1.500 Unterrichtseinheiten zum Osteopathen geschult werden. Zur Website des Instituts >

Ein Aushängeschild unserer Schule ist unser Lehrprogramm, welches meine Mitarbeiter und ich in all den Jahren erstellt und strukturiert haben. Unsere inzwischen internationale Erfahrung habe ich mit meinem Kollegen Erik Hebgen in einem Buch zusammengetragen, welches heute als Standardwerk der Osteopathie in Deutschland angesehen wird und bereits ins Französische übersetzt wurde. Weiter auf nationalem und internationalem Parkett bewegen wir uns mit unserem Schulangebot jetzt in Richtung Frankfurt und München. In der Türkei haben wir vor 10 Jahren eine Partnerschule gegründet, es ist die einzige Osteopathieschule im Land. Inzwischen unterrichten wir dort schon an drei Standorten, in Istanbul, Ismir und Ankara und haben schon einige türkische Dozenten ausgebildet.


Mehr als tausend Schüler befinden sich zurzeit in der Ausbildung an deinen Schulen. Du wirkst viel relaxer als andere Direktoren mit weniger Schülern. Wie lange willst Du diesen Job noch machen?

Die Entspannung zeugt vielleicht von der Freude an meinem Beruf, der Zufriedenheit und dem Erfolg, den ich mittlerweile empfinde. Nie hatte ich mir meine berufliche Laufbahn so vorgestellt, aber dieser ständig überraschende Verlauf hat mich immer begeistert und motiviert. Nun fühle ich mich kurz vor der Pension auf dem Höhepunkt angekommen und will jetzt langsam anderen das Ruder übergeben, ... und noch ein paar neue Dinge angehen.


Videos - Wir trafen Werner Langer in seiner St.Vither Praxis, wo er uns spontan einige Fragen beantwortete:

Was hat Dir an der BS besonders gut gefallen und was hat Eindruck gemacht? Woran erinnerst Du Dich heute noch gern? Was waren Deine Lieblingsfächer in den Abiturjahren?
Was hat Dir damals nicht so richtig gepasst? Gab es Personen an die Du Dich nicht so gerne erinnerst?
(Dauer: 2:16)

Waren das Fach Osteopathie und die Berufung zum späteren Schuldirektor Deine Traumberufe?
Du hast auch einige gesundheitliche Schläge verkraften müssen. Wie bist Du damit fertig geworden? Was würdest Du heute einem jungen Abiturienten als Empfehlung mit auf dem Weg geben?
(Dauer: 2:55)

Ihr habt zurzeit über Tausend eingeschriebene Schüler, mehr als die BS heute aufweisen kann.
Gibt es abgesehen von den neun Standorten in Deutschland noch weitere Kontakte ins Ausland?
(Dauer:  0:39)


Einige Erinnerungsbilder, die sicherlich den ein oder anderen Kumpel aus längst vergangener BS-Zeit interressieren werden.


1968: Die 4è Moderne mit Leo Veithen als Klassenlehrer. Werner Langer als 4. sitzend(von links)


 

 


1969: Harte Mathe-Schule mit Walter Langer in der 3è WA, stehend: Alfons Paquet, Josef Bosch, Manfred Funk, Walter Theissen, André Hockey, sitzend: Arno Jates, Werner Langer, Walter Langer, Manfred Nelles, René Theissen




1972: Abi-Klassenbild mit Damen, stehend: Hermann Dederichs, ? Trost, Edgard Lamby, Rainer Johanns, ? Oestges, ? Collienne, Guy Sproten, Manfred Nelles, sitzend: Karl Marx, Agnes Knips, Jonas Gennen, Jeannine Gillessen, Werner Langer

 

 

Herzlichen Dank Werner für das interessante Gespräch. Alles Gute für Deine Zukunft.

Erwin Kirsch

 

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