Auf den Spuren unserer Ehemaliger
 
 

 
 GO >
 
 
Klassenfotos
 
Das Ehrenamt an BS und TI
 
 

Was macht eigentlich Horst Mertes aus Amel?

Weltweit umtriebiger Selfmademan jongliert zwischen Algorithmen und Tequila Sunrise

von Norbert Meyers (Text) und Erwin Kirsch (Fotos)

In Bild klicken, um sich Vergrößerung in Zoomgalerie anzuschauen.

 

In Erwartung einer Antwort auf eine Mail an Horst Mertes hat der Sekundenzeiger bestenfalls Zeit für drei Umdrehungen… - und schon signalisiert Thunderbird einen Posteingang. Und das vielfach zu (fast) jeder beliebigen Tag und Nachtzeit. Kein Wunder, schließlich lebt der Inhaber der Mailadresse horst.mertes@fenetech.com virtuell immer mit einem Fuß jenseits des Atlantiks, in den Vereinigten Staaten, genauer: in Ohio, unweit des Eriesees.

Auch lässt sich die unmittelbare geografische Herkunft der Mail meist nur schwer situieren. So residierte Horst Mertes in den vergangenen Tagen beruflich in Budapest und Bukarest, zwischen Unternehmen und Hotel, stets in Diensten von FeneTech, jenem Unternehmen mit Europa-Sitz im luxemburgischen Bertrange, dem der Ameler nicht allein als Chief Executive Officer, sondern mehr noch als „spiritus rector“ vorsteht.

Ein CEO „mit Durchblick“ - denn anders ließe sich der Job für ein Unternehmen, das Betrieben zuarbeitet, die im Fensterbau respektive generell im Glas verarbeitenden Segment tätig sind, kaum skizzieren. Es sind „Advanced Software ERP Solutions“, die das Unternehmen konzipiert, entwickelt und vertreibt. Von der Produktionssteuerung über die Zuschnittoptimierung bis hin zu Verkaufstools deckt das Unternehmen die gesamte Bandbreite an Steuerungsmodulen ab.


„Der Musikunterricht mit Johannes Piette war ein Erlebnis, das mich nachdrücklich geprägt hat.“

Und das mit einem Manager in „processing and sale“, zu dessen fachlichen Vorlieben an der Bischöflichen Schule nicht unbedingt Mathematik gehörte. Ganz im Gegenteil: Wenn Horst Mertes, Jahrgang 1962, die Namen Manfred Thommessen und Margarethe Steffens hört oder in den Mund nimmt, schüttelt er sich heute noch. „Das passte einfach nicht“, so sein Blick „in den Rückspiegel“ auf die sechs Jahre in der St.Vither Klosterstraße, wo er im Sommer 1980 Abitur machte. In der Wissenschaftlichen „B“, unter Klassenleiter Alfons Thunus, der in der persönlichen Gunst des Abiturienten schon deutlich höher angesiedelt war und ist als sein(e) zwischenzeitliche(r) Mathematiklehrer(in). Ebenso wie - teils in den Jahren zuvor - Martin Lux, René Roth, Joseph Benker, Jean Mathieu oder Josef Dries. Nicht zu vergessen Direktor Josef Pankert, „zu dem ich immer ein unverkrampftes, positives Verhältnis hatte“, so die schulische Erinnerung von Horst Mertes an die späten siebziger Jahre.

Und da war da noch einer, der seine ungeteilte Sympathie genoss. „Der Musikunterricht mit Johannes Piette war ein Erlebnis, das mich nachdrücklich geprägt hat. Ganz gleich ob Blockflöte oder später Saxofon... - die Mitwirkung in seinem kleinen Orchester bleibt unvergessen.“ Prägend waren nicht zuletzt die Mittagspausen, in denen Horst Mertes erstmals überhaupt mit einem Klavier „in Berührung kam“. Maßgebende Erfahrungen, die ihn nachfolgend u.a. zur Kirchenmusik führen sollten. Im Grunde war es mit Blick zurück auf die sechs Jahre an der „BS“ der wichtigste Ertrag.


„Ich habe schon früh die Nase in alles gesteckt, was irgendwie mit Computern zu tun hatte.“

Selbst mit dem Abitur in Händen gab es für Horst Mertes mehr Fragen als Antworten. „Was genau ich nun angehen sollte, wusste ich nicht. Ein Weiterstudium sollte es jedenfalls nicht sein, so viel stand fest.“ Weshalb er kurzerhand nach einem Job Ausschau hielt - und sich zunächst einmal für eine Aufnahmeprüfung bei der Raiffeisenkasse (heute KBC) einschrieb. Mit Erfolg, selbst wenn er das letztlich positive Ergebnis gar nicht erst abwartete, sondern in der Zwischenzeit anderswo „unterkommen“ sollte.

Denn kurzfristig war er auf eine interessante Anzeige von JOWACO in Eupen gestoßen. Gesucht wurde jemand, der das damals noch recht kleine und überschaubare Computersystem der Firma betreute. „Wobei, wenn ich ganz ehrlich bin, dieser Betriff im Grunde ein recht großes und nur schwer definierbares Wort war.“ Doch was soll’s!? Horst Mertes hatte schon während seines Sekundarstudiums „früh die Nase in alles gesteckt, was irgendwie mit Computern zu tun hatte“. In jener Zeit nicht allein für ihn „eine völlig neue und vor allem spannende Welt, die es erst einmal zu entdecken galt“. Jedoch eine Welt, in die er mit ungeahnter Neugierde eintauchte - und die letztlich zu seiner eigenen Welt werden sollte.

Bei JOWACO jedenfalls machte er das Rennen, wurde aus rund zwanzig Bewerbungen aussortiert, weil er, wie er erst später erfuhr, beim Vorstellungsgespräch „nicht mit meinem bescheidenen Wissen geprahlt hatte, sondern mich stattdessen nach technischen Details ihres Computersystems erkundigt hatte“, überzeugte der Eifeler letztlich auch durch „meine angeborene Neugierde“. Offenkundig eine überzeugende Annäherung an die neue technologische Herausforderung.


„Schon am frühen Morgen drohte dicker Zigarettenrauch den Verstand zu vernebeln.“

Die zu Beginn aber nicht die einzige war, denn ohne eigenen Führerschein („da ich noch keine achtzehn war“) musste er zunächst einmal zusehen, dass er überhaupt von Amel nach Eupen gelangte. Die Lösung bot kurzerhand das Kolonnenfahrzeug, mit dem sein Vater in Diensten eines
Bauunternehmens jeden Morgen übers Venn fuhr. Zwar ein Transportmittel, in dem „schon früh am Tag dicker Zigarettenrauch den Verstand zu vernebeln drohte“, das aber letztlich seinen Zweck erfüllte. An der Herbesthaler Straße in Eupen sollte er jedenfalls während zweieinhalb Jahren „eine in vielerlei Hinsicht interessante Aufgabe finden, die für mich faktisch zum Sprungbrett für meine gesamte weitere Karriere wurde“.

Eine berufliche Laufbahn, wo zu Beginn aber noch reichlich Zeit blieb für „ars musica“. Es war - wie gesagt - kein Geringerer als Johannes Piette, der ihn schon früh überzeugt hatte, sich an der Musikschule in St.Vith für Notenlehre und Klavier einzuschreiben. Einen maßgebenden Mentor fand Horst Mertes hier namentlich in Albert Veithen, der ihn schon bald dazu überredete, nebenher für „Jugend & Musik“ die Sekretariatsarbeit zu übernehmen. „Eine Tätigkeit, die ich sechs Jahre lang mit sehr viel Herz und Einsatz ausgeübt habe.“ Selbst wenn die organisatorischen Voraussetzungen damals mit den heutigen Rahmenbedingungen für den Kultur- und Konzertbetrieb in Ostbelgien nicht ansatzweise vergleichbar waren.

Parallel agierte Horst Mertes regelmäßig als Organist in Deidenberg und Mirfeld, „obwohl ich eigentlich keine spezifische Ausbildung für Orgel absolviert hatte, aber das klappte von Beginn an recht gut“. Freilich musste er in beiden Kirchen mit einem elektronischen Instrument vorliebnehmen. Weshalb es für ihn kein Halten gab, als eine Anfrage der Pfarre Rocherath ihm plötzlich die Chance eröffnete, auf einer Pfeifenorgel zu spielen. „Ich hätte zwar zwischendurch schon mal gerne die Pfeifenorgel in Amel gespielt, doch das war das ureigene Revier der Familie Piront. Da durfte kein anderer ran.“


„Rocherath kaufte mir ein Auto, das ich über mein Organistengehalt zurückzahlen musste.“

Er erinnert sich noch gut an die Verabschiedung durch Aloys Jousten, damals Schulleiter am Heidberg-Institut in Eupen und bis zu seiner Ernennung zum Pfarrer-Dechanten in St.Vith im Jahre 1985 zugleich „Sonntagskaplan“ in seiner Heimatpfarre Amel, namentlich in Valender und Mirfeld. „Horst verlässt uns. Er geht zu einer höher gelegenen Kirche...“, so die „topografische“ Skizzierung aus dem Munde des späteren Bischofs.

Blieb vor dem Wechsel in die Nordeifel einzig das Problem der Distanz respektive Fahrt... Wieder mal?!? Doch da bot die Pfarre unter Bruno Heck selbst eine unerwartete Lösung an. „Sie kaufte mir ein Auto, das ich über mein Organistengehalt zurückzahlen musste.“ Ein Auto, das damals überaus rege zum kirchenmusikalischen Dienst genutzt wurde - „bei immerhin acht Messen in der Woche, konkret: eine an jedem Wochentag und immer zwei am Sonntag, manchmal sogar noch samstags eine Beerdigung oder Hochzeit“. Eine nebenberufliche Tätigkeit, die er - neben seinem weiteren Engagement im Musikverein „Hof von Amel“ und in der vormaligen Band „Papermoon“ (wo Horst Mertes nebenher noch Tanzmusik machte - aber bestens mit seinem Job in Eupen in Einklang bringen konnte.

Ändern sollten sich die Zeiten erst, als Horst Mertes ein Angebot der Firma „Albat+Wirsam“ auf den Tisch flatterte. „Ein Unternehmen damals mit Sitz in Linden, heute in Pohlheim, unweit von Gießen, das sich schon früh einen Namen als Marktführer für Software in der Flachglasindustrie machen konnte und ebenfalls JOWACO mit Computerprogrammen belieferte.“ Und irgendwann den jungen, ambitionierten Eifeler abwarb. „Egal was Du jetzt verdienst, wir zahlen Dir das Dreifache“, lautete das Angebot, das im Grunde niemand ausschlagen konnte, selbst wenn damit der berufliche Abschied aus der ostbelgischen Heimat einherging. „Ich kam nunmehr nur noch am Wochenende nach Hause, war aber am Samstag und Sonntag weiter als Organist in Rocherath tätig - zumindest in der Anfangszeit.“


„Da setzte sich bei mir die Erkenntnis durch, dass Mathematik durchaus Sinn machen kann.“

Aber schon bald blieb kaum noch zeitlicher Freiraum für die regelmäßigen Abstecher nach Amel. Bei „A+W“ war Horst Mertes zunehmend in die Entwicklung einbezogen, anfangs vornehmlich in der Programmierung, später - nach neun Jahren Implementierung - verstärkt auch im Vertrieb.
Zum Hintergrund: Im Jahre 1980 hatte das Unternehmen die erste Produktionsplanungssoftware für die Flachglasindustrie auf den Markt gebracht. Zum Jahresende verzeichnete „Albat+Wirsam“ bereits über hundert erfolgreiche Installationen der Glaszuschnittoptimierung TRAOPT und der Auftragserfassung ALFAK. Ein weltweit erfolgreiches Konzept, das eine anhaltende Expansion zur Folge hatte - in die Horst Mertes konsequent eingebunden wurde. So u.a. mit der Gründung von Filialen in Toronto/Kanada (wo er auch ab 1996 die Geschäftsführung verantwortete und somit sein Büro in Linden/Hessen faktisch aufgab), in Hertford/Großbritannien (ebenfalls Geschäftsführung) und später zudem in Melbourne/Australien.

Da setzte sich bei ihm dann schon die Erkenntnis durch, „dass Mathematik durchaus Sinn machen kann“. Kein Wunder angesichts der vielschichtigen Aufgaben, die ihn rund um den Globus führten. Mit teils sehr ausgefallenen Anforderungen, so etwa die Übersetzung von Software ins Englische mitsamt Anpassung aller Maßeinheiten für den anglosächsischen Markt. Zwischenzeitlich weilte er aber u.a. auch schon mal acht Wochen lang in Singapur. „Ein Zeitaufwand, der einfach erforderlich war, um die Software auf die individuellen Bedürfnisse des Kunden zuzuschneiden“, so Horst Mertes.


„In der internen Lufthansa-Rangliste lag ich mit meinen Flugmeilen weltweit auf Position 27“

Die Folge: Plötzlich stand ihm am Airport Frankfurt ein hoher Lufthansa-Manager gegenüber und überreichte ihm eine goldene Ehrennadel für eine Million zurückgelegte Flugmeilen. „In der internen Rangliste der Fluglinie lag ich damals weltweit auf Position 27“, erinnert sich der Vielflieger auch mit teils gemischten Gefühlen an sein ständiges Leben „über den Wolken“.

Allmählich aber neigte sich die Zeit bei „A+W“ ihrem Ende entgegen, „auch da ich manchem in der Firma zu mächtig geworden war“, hat Horst Mertes im Nachhinein durchaus Verständnis für eine solche „natürliche“ Entwicklung. Jedoch sollte sein Lebensmittelpunkt weiter in Deutschland bleiben - in Gelsenkirchen, beim Softwarehaus Hanic, für das er den Export nach Großbritannien ankurbeln sollte. Letztlich aber nur ein kurzes Intermezzo, dem nun ein mehrjähriges Engagement in den Vereinigten Staaten folgen sollte.

Im Jahre 2002 siedelte Horst Mertes nach Eagan unweit von Minneapolis/Minnesota um. Hier, in einer „Klein“stadt von rund 65.000 Einwohnern im Norden der USA, am Schreibtisch des österreichischen Konzerns Lisec, damals Weltmarktführers für Maschinen und Software für die
Glasindustrie, sollte er als Geschäftsführer der Softwaresparte das krisengeschüttelte Amerikageschäfts des Unternehmens neu ordnen. „Als damals einziger Europäer an der Spitze eines zwölfköpfigen Teams“, blickt er zurück auf „ein finanzielles Angebot, das ich einfach nicht
ausschlagen konnte“, selbst wenn er nun erstmals komplett nach Übersee „auswandern“ musste und bestenfalls drei bis vier Mal im Jahr nach Amel zurückkehrte. Hierunter aber stets Anfang November zum Hubertusfest und zum Jahreskonzert „seines“ Musikvereins, wo für ihn stets ein Platz am Klarinetten- oder Saxofonpult frei gehalten wurde.


„Die standen quasi schon auf der Matte, um mich wieder nach Hessen zu lotsen.“

Ein Job, der ihm durchaus Spaß machte und in dem er für Lisec America Software schnell interessante Perspektiven aufzeigte, so etwa ein Plus von nahezu hundert Prozent in seinem ersten Geschäftsjahr bei einem Umsatz von fast sechs Millionen Dollar allein im Software-Segment. Nur sah er sich bald einem entscheidenden Problem gegenüber: „Die Österreicher konnten zu oft nicht fristgerecht liefern.“ Ein Ärgernis, das sich Horst Mertes nicht über Maßen lange antun wollte. Und so führte sein Weg nach drei Jahren in den Staaten wieder zurück nach Deutschland, genauer: nach Hessen, zu seiner früheren Firma „Albat+Wirsam Software AG“, zu der die Kontakte nie gänzlich abgerissen waren. „Die standen quasi schon auf der Matte, um mich wieder nach Hessen zu lotsen.“ Ein Comeback, unter das Horst Mertes aber nur zwei Jahre später einen definitiven Schlussstrich zog. „A+W wurde im Sommer 2007 Teil der finnischen Glaston Gruppe. Zwar blieb eine hohe Autonomie des Unternehmens gewährleistet, doch mir fehlte einfach die Herausforderung, heißt: der Fokus auf weitere Innovationen in der Software.“

Weshalb es ihn schnell zu neuen Ufern zog, „zumal es an Kontakten zu anderen führenden Unternehmen in der Glasindustrie nie gemangelt hat“. Auch hatte er bereits früh die Erfahrung gemacht, dass für ihn „ein Branchenwechsel kaum denkbar“ war. „Einerseits ist die Sparte der
Software für Glas verarbeitende Unternehmen extrem spezifisch, andererseits habe ich mir in dieser Branche mein Wissen von klein auf angeeignet, so dass ich nur schwer den Hebel umlegen könnte.“ So hatte der Eifeler in der Zwischenzeit das Unternehmen FeneTech Inc. kennengelernt - mit zentralem Sitz in Aurora/Ohio, unweit von Cleveland und Eriesee. Sein Auftrag war klar definiert: Internationalisierung des bis dahin vornehmlich auf den amerikanischen Markt ausgerichteten Unternehmens.


„Ich schicke gerne ein Dankeschön zur BS, wo meine sprachliche Basis gelegt wurde.“

Prompt wurde Horst Mertes erneut zum Globetrotter... - nun aber verstärkt „in eigenen Diensten“. Denn bei FeneTech Europe Sàrl („eine meiner ersten und wichtigsten Initiativen“) mit Sitz in Bertrange/Luxemburg ist Horst Mertes Miteigentümer und kurbelt seit Gründung des Standortes im Jahre 2010 namentlich das Geschäft europaweit an. Was ihn jedoch keineswegs von den „hausinternen“ Entwicklungsprozessen fernhält. „Wir zeichnen uns aus durch enorme Flexibilität, kreieren mit unserem Entwicklungsteam von knapp zwanzig Personen Jahr für Jahr drei neue
Softwareversionen.“ Kurzum: Hier gehen Kreativität und Individualität Hand in Hand.

Der Kundenkreis ist mittlerweile rund um den Globus angesiedelt, reicht von Island bis Zypern, von Los Angeles bis Bangkok. In den den vergangenen Tagen etwa weilte Horst Mertes zu Verkaufsgesprächen in Ungarn und Rumänien. Kontakte, die er wie viele zuvor zu einem positiven
Abschluss führen konnte. „Wir sind zwar immer der teuerste Anbieter, haben aber das beste Produkt“, mangelt es den findigen Köpfen bei FeneTech nicht an Selbstbewusstsein.

Maßgebend für den Erfolg ist auch die sprachliche Kompetenz des Teams, wobei Horst Mertes mit beredtem Beispiel vorangeht. Neben den drei Landessprachen und Englisch steht er ebenfalls in Spanisch und Portugiesisch auf sicheren (Verhandlungs)füßen. „Da schicke ich gerne ein Dankeschön zur Bischöflichen Schule, wo meine sprachliche Basis gelegt wurde.“

In der Zwischenzeit hatte er in Amel auch ein eigenes Domizil errichtet, nachdem er zuvor sein Eigenheim in Gießen lukrativ an den Mann gebracht hatte. Auch wenn er vor rund zehn Jahren gegenüber dem GrenzEcho noch die Auffassung vertreten hatte, dass er es sich kaum vorstellen
könne, nochmals in Belgien zu leben, da er ganz einfach die Internationalität brauche.


„Ich weiß durchaus, was ein Gast heute in einem Hotel oder Restaurant erwartet“.

Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt... Und so hat er in der Zwischenzeit in Amel gar zwei Adressen - einerseits „Am Adesberg“, wo auch sein Elternhaus und sein Eigenheim stehen, andererseits „Auf dem Kamp“, also im Ortskern, wo er unternehmerisch tätig geworden ist. Freilich nicht in seiner angestammten Branche, in der Software für die Fenster- und Glasindustrie, nein, in Amel beschritt Horst Mertes ebenso couragiert wie engagiert gastronomisches Neuland. Als ihm zu Ohren kam, dass das Hotel-Restaurant Kreusch zum Verkauf stand, ließ er sich nicht lange bitten - „obwohl ich kein Gastronom bin“, wie er ausdrücklich unterstreicht. Jedoch habe er über Jahrzehnte in unzähligen Hotels weltweit die Türen aufgestoßen, „so dass ich durchaus weiß, was ein Gast heute in einem Hotel oder Restaurant erwartet“.

Erwartungen, die das bestehende Anwesen aber weder in puncto Infrastruktur und Ausstattung noch in Sachen Konzeption und Service erfüllen konnte. Das unverrückbare Plus bleibt freilich die zentrale Lage, die denn auch den Anstoß zum neuen Namen gab: „Amel Mitte“. Zugleich aber krempelte Horst Mertes den Traditionsbetrieb komplett um. In enger architektonisch-technischer Partnerschaft mit Guido Keller und Günther Leufgen entstand in wenigen Monaten ein vielschichtiger und vor allem trendiger Gastronomiebetrieb mit Bistro, Bar, Restaurant und - in absehbarer Zeit wieder - Hotel. Ergänzt um einen räumlich erweiterten Saal für Feste und Bankette, der mit künftig bis zu 200 Plätzen in verschiedenen Raumsegmenten vor allem durch sein frisches, offenes Ambiente besticht und später dank seiner durchdachten Gliederung passend zu jedem Anlass genutzt werden kann.


„Ich wollte durch diese Investition auch etwas für mein Heimatdorf tun.“

Ein unternehmerischer Schritt, der von mancher Seite sicher kritisch und teils sogar neidisch beäugt worden sei. „Aber letztlich überwiegt ganz klar der Respekt“, so Horst Mertes - „auch gegenüber meiner erklärten Absicht, dass ich durch diese Investition etwas für mein Heimatdorf tun wollte“. Eine Investition, die - inklusive Ankauf - zwischendurch die ersten Schätzungen recht deutlich sprengte und weit auf über eine Millionen Euro anstieg. „Aber es hat sich gelohnt“, zumal er sich bei „Amel Mitte“ ein Stück weit einen Traum erfüllen konnte. „Ich habe schon als Jugendlicher bei Ferienjobs erste Eindrücke und Erfahrungen in der Gastronomie gesammelt - ein Metier, das mich seither auch immer gereizt hat“, spricht aus seinen Worten spürbare Begeisterung.

Zugleich stellt er klar, dass „Amel Mitte“ in den nächsten Jahren bestenfalls sein zweites betriebliches Standbein sein kann und wird - neben seinem Job für FeneTech, aus dem er (vorerst) niemals aussteigen würde. Mit der Folge, dass er „Amel Mitte“ zwischendurch immer wieder den Rücken kehren muss, weil ihn seine primären beruflichen Verpflichtungen immer noch „around the world“ führen. Doch weiß er den Gastronomiebetrieb bei seiner Schwester Gisela Zians-Mertes als Küchenchefin und Florian Wahle als Assistent der Geschäftsführung in besten Händen.

„Ich gehöre nun mal zu den Leuten, die sich einfach etwas trauen“, so Horst Mertes. Das sei bereits der Fall in seinem ersten Job bei JOWACO gewesen, „wo ich kreativ gefordert war“. Und das ist bis heute so geblieben. Auch einem Abiturienten, der in diesen Wochen zwischen vielen denkbaren Optionen hin- und hergerissen sei, könne er nur raten, „für sich selbst herauszufinden, was ihm liegt - und hierbei durchaus auch mal etwas zu wagen“. Sich in eine Schublade stecken zu lassen, geht ihm jedenfalls gewaltig gegen den Strich.


Ohne ein gesundes Maß an Risikobereitschaft wäre ich nicht, was ich heute bin.“

Und mit Blick auf seine eigene Karriere ist Horst Mertes formell: „Ohne ein gesundes Maß an Risikobereitschaft wäre ich nicht, was ich heute bin.“ Was seinen Eltern sicher zwischendurch manch schlaflose Nacht bereitet habe... „Oft haben sie mich angefleht, die Finger von diesem oder jenem zu lassen.“ Aber er habe seinen Kopf durchgesetzt und immer gesagt: „Lasst es mich doch wenigstens versuchen.“ Mit Erfolg, wie er heute zu Recht unterstreichen kann.

Zugegeben: „Sich etwas trauen, ist sicher nicht jedermanns Sache“, räumt er ein. Und auch er selbst habe zumindest mit einer Entscheidung lange gebraucht, ehe er sich getraut habe. „Heute gehe ich offenmit meiner gleichgeschlechtlichen Neigung um. Jedoch war das nicht immer so.“ Gerade in einem ländlichen Raum wie der Eifel sei - selbst zu Beginn des 21. Jahrhunderts und in einer zunehmend offeneren Gesellschaft - ein Coming-out nicht unbedingt an der Tagesordnung.

„Doch letztlich habe ich mich vor rund zehn Jahren dazu durchgerungen, auch hier klar Position zu beziehen. In der Firma war es eh bekannt und nie ein Problem.“ Die anfängliche Verblüffung in seinem unmittelbaren familiären und sozialen Umfeld („vielleicht mehr noch über meine Offenheit als über die Tatsache selbst“) sei aber „schnell und unerwartet einem spürbaren Respekt gewichen, gerade weil ich mit dem durchaus sensiblen Thema völlig unverkrampft umgegangen bin“. Und sollte jemand mit dieser Neigung nicht klarkommen, „so habe ich selbst mit dieser Person bestimmt keine Schwierigkeiten. Da stehe ich jeder anderen Sichtweise überaus tolerant gegenüber.“

Für den Griff zum Akkordeon bleibt heute nur noch wenig Zeit - im Gegensatz zu früher, wo Musik nahezu jede freie Minute ausfüllte.

 

 

Fotografische Erinnerungen an ein früheres Sommerfest in Amel - in einem Outfit, das kurzerhand aus Bayern respektive Tirol "importiert" worden war.

 

 

Horst Mertes der Vielflieger:
Macht das Reisen immer noch Spaß?
(Dauer 00:39)

 

 

Was rät der Informatiker der BS?
(Dauer 00:24)

 

 


So erreichen Sie Horst Mertes:

Per Email: horst.mertes@fenetech.com
In Amel: http://www.amelmitte.be/


Herzlichen Dank Horst für das Gespräch und das kühle Bier.

Norbert Meyers (Text), Erwin Kirsch (Bilder)

 

 
 
 GO >




Eine Bilanz guter Taten

mehr >>


Bekannte Gesichter

im Portrait

mehr >>



Meinungen und Kommentare

Was Ehemalige schreiben
mehr >>



In Memoriam
Im Gedenken an unsere Verstorbenen
mehr >>



Newsletter

 

top  

impressum | datenschutz