GO >
Ein Beitrag von Gerd Hennen:

Aktion Damian machte Station in unserer Schule

Lepra steht für Stigmatisierung und Ausgrenzung

St.Vith.- Jozef de Veuster, besser bekannt als Pater Damian, gehört zweifelsohne zu den bekanntesten Belgiern weltweit. Im 19. Jahrhundert zog der Geistliche aus, um auf der Insel Hawai seine missionarische Tätigkeit aufzunehmen. Dort sah er erstmals leibhaftig „Aussätzige", die von ihren Familien und Freunden verstoßen und ihrem Schicksal überlassen wurden. Er beschloss kurzerhand zu helfen und gründete auf der angrenzenden Insel Molokai eine Leprastation, die dazu diente, den Menschen Hospiz und vor allem Hoffnung zu geben. Er schrieb Briefe in die Welt hinaus um auf die verheerende Lage der Leprakranken aufmerksam zu machen und stieß hierbei auf das Interesse von Politikern und Wissenschaftlern.

Es wurde ein Hilfsfonds geschaffen und auch die Medizin entwickelte wirksame Medikamente zur Bekämpfung von Lepra.

Jozef de Veuster - Pater Damiaan

Damian stellte sein ganzes Leben in den Dienst der Leprakranken und erkrankte selber an dieser damals noch unheilbaren Krankheit. Seine Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe führte vor einigen Jahren sogar zur Heiligsprechung durch die katholische Kirche. In unserer modernen, digitalisierten Zeit scheint Lepra allmählich ausgerottet zu sein, doch der Informationstag an unserer Schule hatte andere Informationen parat. So erkranken jährliche ca. 200000 Menschen an Lepra. Wenn dies im Frühstadium erkannt und behandelt wird, können Folgeschäden vollständig vermieden werden, so dass für die betroffenen Familien, die meist in ärmlichen Verhältnissen in Entwicklungsstaaten leben, keinerlei wirtschaftlichen Schwierigkeiten entstehen. Während die Krankheit selber auf einem guten Weg ist ausgemerzt zu werden, bleiben Vorurteile bei den Menschen nach wie vor vorhanden. Aus diesem Grund steht die diesjährige Hilfs- und Spendenaktion ganz unter dem Motto der „Sensibilisierung gegen die Stigmatisierung".

Sensibilisierung

Die belgische Damian Stiftung konnte hierfür mit Mathias Duck aus Paraguay einen Experten der Materie gewinnen, der vor einigen Jahren selber während seiner Seelsorger-Tätigkeit in einem Krankenhaus an Lepra erkrankte und somit im Eigenbericht zur großen Freude der interessierten BSTI-Schüler auf die Wesenheiten und die Gefühle von Patienten eingehen konnte. Mathias Duck, der in Paraguay in einer deutschsprachigen Gemeinde aufgewachsen ist und perfekt Deutsch redet, sieht man seine Lepra-Erkrankung nicht an, denn die Symptome wurden sehr früh richtig diagnostiziert und die Krankheit konsequent medikamentös behandelt. „Ich hatte großes Glück, da ich damals in einem Krankenhaus arbeitete und von Ärzten umgeben war. So viel Glück haben in Südamerika nicht viele Menschen, so dass ich mir zur Aufgabe gemacht habe, über Lepra zu sprechen und zu informieren", erklärte Mathias Duck den Schülern. In Paraguay erkranken jedes Jahr immer noch Menschen an Lepra, genauso wie im Nachbarland Brasilien; Lepra ist darüber hinaus auch noch in einigen afrikanischen und asiatischen Ländern sowie in Indonesien ziemlich verbreitet. Ausgelöst wird die Krankheit durch ein Bakterium und wird über Tröpfcheninfektion recht einfach übertragen.

„Ich hatte großes Glück!"

„Ich hatte ein Kribbeln in meiner rechten Hand – so als ob die Hand eingeschlafen ist. Das hatte ich zuvor bereits, aber diesmal blieb dieses dumpfe Gefühl in meiner Hand bestehen", erinnerte sich Duck. „Das hat mehrere Wochen angehalten. Ich wusste, dass das ein Anzeichen für Lepra sein kann und bin in die Sprechstunde vom Arzt gegangen, wo man dann Lepra festgestellt hat. Nach der Diagnose konnte sofort die Behandlung starten. Das sind Pillen, die man jeden Tag einnimmt. Das hat mich nicht stark beeinträchtigt, aber ich habe mich während der ganzen Behandlung müde und schwach gefühlt." Die Linderung der Symptome ging rasch vonstatten, und nach nur drei Wochen war das unangenehme und störende Kribbeln in der Hand Mathias Ducks vollständig verschwunden. Trotzdem musste er die Medikamente sechs Monate durchnehmen und galt im Anschluss als vollständig geheilt. Trotz dieses positiven Krankheitsverlaufes schämte sich Mathias Duck zunächst über seine Erfahrungen zu reden. „Es hat einige Zeit gedauert, bis ich mit anderen Menschen über meine Erkrankung reden konnte, aber das hat mir dann geholfen. Es ist immer einfacher, wenn man über Sachen spricht, aber bei einigen, vor allem persönliche und intime Sachen ist das besonders schwierig. In Paraguay ist das Stigma zum Teil noch sehr stark. Ich habe selber miterlebt, wie Leute von ihren Ehepartnern oder Familien verlassen oder verstoßen wurden, dass sie ihren Arbeitsplatz verloren haben oder dass die Kinder nicht in die Schule gehen konnten."

Keine Angst vor Lepra

Gerade diese Beispiele waren der Auslöser für Mathias Ducks Engagement, die Aktion Damian zu unterstützen und zu propagieren. „Ich möchte klar aufzeigen, dass die Ausgrenzung von Menschen oftmals viel schlimmer ist als die eigentliche Krankheit, die im besten Falle ja heilbar ist. Nicht allen an Lepra Erkrankten haben so viel Glück gehabt wie ich. Und gerade deshalb möchte ich meine Mitmenschen für dieses Problem sensibilisieren. Stigmatisierung und vor allem Scham sind oftmals Gründe für ein irreparables Verschleppen dieser Krankheit. Das muss in einer aufgeklärten Gesellschaft des 21. Jahrhunderts endlich der Vergangenheit angehören!", meinte Ducks gegenüber den BSTI-Schülern. Auch in diesem Jahr unterstützten freiwillige Schüler die Aktion Damian mit dem Verkauf von Schreibstiften. Außerdem werden in Ostbelgien auch noch Spendenumschläge verteilt. Schüler meinten abschließend, dass es doch für eine zivilisierte Gesellschaft wie der unsrigen nicht möglich ist, die rund 10 Mio. € jährlich zur Bekämpfung von Lepra und Tuberkulose weltweit aufzubringen. „Hier sind die Staaten und auch die UNO gefragt, denn dieser Betrag ist doch sicherlich aus der Portokasse dieser Organisationen zu bestreiten. Es ist doch beschämend, dass Menschen Schreibstifte verkaufen müssen, um diesen Erkrankten zu helfen. Wo ist die Verantwortung der verschiedenen Entwicklungs-, Gesundheits- und Wirtschaftsministerien?", meinte eine BSTI-Schülerin abschließend. Eines ist klar: 50 € retten einen an Lepra erkrankten Menschen!

Spendenkonto: BE05000000007575 (ab 40 Euro steuerlich absetzbar)

 

Im BRF (Funk und TV) war Aktion Damian auch Thema: Hier der Link zu der Seite.