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Ein Beitrag von Veronika Plattes:

Klassenfahrt Pixerécourt

Am 22. November 2017 fuhren die Schüler der 6. AT und 6. LB in Begleitung der Lehrpersonen Yvonne Rauw, Veronika Plattes und Peter Ortmanns nach Pixerécourt (Nancy/ Frankreich). Die „Domaine de Pixerécourt" ist eine landwirtschaftliche Schule mit einem eigenen landwirtschaftlichen Betrieb, dem auch eine Reitschule und eine Schäferei zugehört. Dort fand ein dreitägiger Workshop rund um das Thema „Wolle" statt. Organisiert wurde das Ganze von der „Vereinigung BNE Großregion", die sich der Bildung für Nachhaltige Entwicklung in der Großregion verschrieben hat. Partner dieses Projektes sind das Großherzogtum Luxemburg, das Département Lorraine, die Bundesländer Rheinland-Pfalz und Saarland sowie die Wallonische Region mit der Deutschsprachigen Gemeinschaft.

Das Projekt nennt sich „DEFI LAINE", dessen Hauptziel es ist, eine zukunftsfähige Produktionskette zur regionalen Verwertung von der in der Großregion produzierten Wolle zu gründen. Für Ostbelgien sind Natagora und der Naturpark Hohes Venn-Eifel die ersten Ansprechpartner. Der Naturpark Hohes Venn-Eifel hat unsere Abteilung auch auf diese Veranstaltung hingewiesen und die Fahrt übernommen, denn ein Mitarbeiter des Parks ist Mitorganisator des Projektes DEFI LAINE.

Angekommen in Pixerécourt trafen wir auf die anderen teilnehmenden Schulen (die Ackerbauschule von Ettelbrück und das IPAE La Reid und natürlich Pixerécourt). Nach einer herzlichen Begrüßung durch die Veranstalter wurden uns die EU-Projekte „Großregion" und „DEFI LAINE" vorgestellt, dem folgte ein Kennenlernspiel und anschließend gab es ein Mittagessen. Dieses beinhaltete nur Speisen, die auch aus der Region Lothringen stammen. Dort haben sich Landwirte und Handwerker zusammengeschlossen, um ihre Produkte regional und zu angemessenen Preisen zu vermarkten, ähnlich wie bei uns „Made in Ostbelgien". Nach dem Mittagessen wurden wir in zwei Gruppen aufgeteilt, die während der 3 Tage getrennt durch das komplette Programm geführt wurden.

Der Hauptteil der Veranstaltung gestaltete sich durch Vorträge:

Wolle:
Diesen ganztägigen Kursus gab die engagierte Koordinatorin der belgischen Wollverarbeitung, Ygaëlle Dupriez. „Frau Wolle" zeigte uns, dass Wolle nicht gleich Wolle ist. Jede Schafrasse hat einen anderen Typ Wolle in Farbe und Struktur und folglich auch in der Verarbeitung. Jedes Produkt, welches aus Wolle hergestellt wird, braucht dazu auch die Wolle von bestimmten Rassen. Außerdem wurde gezeigt, welche Fülle es an Produkten gibt, die aus Wolle hergestellt werden können. Es gibt weitaus mehr als Pullover und Socken.

Die Reinigung und Weiterverarbeitung der Wolle wurde ausführlich dargestellt, was schließlich zum Thema Wollpreis führte, denn dieser ist extrem niedrig. Da der Schäfer für seine Wolle weniger erhält (0,7 €/kg), als er dem Scherer bezahlen muss (3,32 €/kg), ist die Wolle für ihn ein lästiges Abfallprodukt. Dies führt dazu, dass der Schäfer kaum Interesse daran hat, gute und saubere Wolle zu liefern. Kommt diese qualitativ schlechte Wolle beim Verarbeiter an, zahlt dieser beim nächsten Mal noch weniger, und die Abwärtsspirale nimmt ihren Lauf. Genau an diesem Punkt möchte das Projekt ansetzen : Dem Schäfer soll ein guter Preis für seine Wolle garantiert werden, damit er wieder mehr Wert auf Qualität legt. Dazu haben sich Schäfer, Fabrikanten und Designer zusammengeschlossen und auf ein Label geeinigt, welches die Wolle als Produkt der Großregion kennzeichnet. Dies soll den Schäfern zu einem vernünftigen Preis für ihr Produkt führen und die Schafhaltung wieder attraktiver machen.

In weiteren Vorträgen, die unseren Schülern ausschließlich in französischer Sprache geboten wurden, kamen folgende Themen zur Sprache :

Krankheiten beim Schaf, v.a. in den ersten Lebensmonaten:
Nathalie Kirschfink, Professorin an der Veterinärfakultät der Universität Namur – und gebürtig aus Raeren ! – hat auf sehr anschauliche Weise die verschiedenen Parasiten vom Schaf vorgestellt. Interessanterweise plädiert die Tierärztin insgesamt für einen verminderten Einsatz von medizinischen Präparaten, um die Resistenzbildung zu vermindern. Dagegen hält sie die Auslese von „toleranten" Schafen für eine Möglichkeit, um die natürliche Widerstandskraft zu erhöhen. Dies wird in einer fakultätseigenen Schafsherde von ca. 400 Tieren erprobt.

Natürlich haben wir uns sehr darüber gefreut, einer „Landsfrau" in dieser französischsprachigen Welt zu begegnen. – Und über eine Einladung der deutschsprachigen Schüler nach Namur ....

Biodiversität:
Der Belgier Sébastien Pirotte, der z.T. für Natagora arbeitet, aber auch eine eigene Schafherde in den Ardennen besitzt, hat uns die Weideführung seiner Herde erklärt. Hauptziel ist es dabei, die Weidepläne so zu gestalten, dass die Schafhaltung mit der Erhaltung oder gar Verbesserung der Artenvielfalt in Einklang ist.

Natürlich wurde uns auch die geschichtliche Entwicklung des Schafes vorgestellt, und zwar von Frau Buldrini, der „Schafspezialistin" des Pixerécourt-Gymnasiums selbst. Das Schaf ist ein vom Menschen so züchterisch verändertes Tier, dass es ohne ihn nicht mehr in der freien Natur überleben könnte. Es gibt heute mehr als 400 Schafrassen auf der Welt, die allesamt vom Mufflon abstammen. Das Mufflon ist Vorfahr des Hausschafs und verliert durch eine Mauser alljährlich seine Wolle, wodurch sich eine Schur erübrigt.

Neben den Vorträgen gab es auch zwei Aktivitäten an der frischen Luft. Zum einen haben wir den Betrieb der Schule besichtigt. Den Kuhstall, die Reitschule und natürlich die Schäferei. Dort war gerade Lammzeit und wir konnten die Erstversorgung eines neugeborenen Lammes miterleben. Uns wurde die Funktionsweise des Betriebes erklärt, denn der Betrieb muss sich zum größten Teil selbst tragen.

Der wohl interessanteste Teil aber war die Arbeit mit einem Schäfer, der uns in die Kunst der Schafschur eingewiesen hat. Wer wollte, durfte selbst scheren. Natürlich wurde uns vorher gezeigt, wie Schafe zu fangen und zu manipulieren sind, und dies möglichst ruhig und stressfrei. Bei dem Tumult, den die ungeübte Schülergruppe auslöste, waren die Tiere wahrscheinlich froh, als wieder Ruhe einkehrte ...

Das Abendprogramm war sorgfältig von den Lehrern des Pixerécourt-Gymnasiums geplant : Wir besuchten Restaurants in Nancy, und durften uns auch am ersten Abend von der Schönheit dieser Stadt überzeugen. Frau Catherine Boulot führte uns zur „Place Stanislas", die mit ihren prachtvollen Gebäuden selbst Paris in nichts nachsteht !

Am 24. November um 16 Uhr endete diese sehr lehrreiche Veranstaltung und wir fuhren mit vielen neuen Eindrücken nach Hause.